Literatur

Achtung! Literaturgruppe trifft sich jeden 3. Mittwoch im Monat

Literarischer Stammtisch am Mittwoch, den 12.10.22 ab 18:00 Uhr in der Weinstube Nikolai, Aßmannshauser Str. 44.
Alle literaturinteressierten Nachbarinnen und Nachbarn sind herzlich willkommen.

Gedichte
In loser Folge wollen wir an dieser Stelle Gedichte noch wenig bekannter Dichter veröffentlichen.

Wir setzen unsere Gedichtreihe mit Bernd-Rainer Bonkowski fort.

Bernd-Rainer Bonkowski ist Mitglied der Literaturgruppe.

Die schöne Zeit

Vor Schreck verschütt ich fast mein Bier,
da steht Coronafee vor mir.
Mit goldner Maske, goldnem Haar,
Zwei Meter Abstand – das ist klar.

Sie ruft, 2 Wünsche hab ich frei, das dies nun meine Chance sei.
Ach, liebe Fee, sieh, alles das, was wir so liebten, bricht wie Glas.
Die Tage fremd und öde sind. Gesellschaft, Spaß, fort, wie der Wind.
Doch Jahre werden schnell vergehen, wenn wir zurück, auf heute sehen.
Wünsch ich, dass das Corona-Jahr für mich ein wunderschönes war.

Die Zeit so ganz für mich allein, am Telefon vereint zu sein
und Ruhe für ein schönes Buch, die alten Fotos, die ich such.
Schöne Musik und Spinnereien, wie wunderbar kann sowas sein.
Das ist der erste Wunsch für mich. 

Den zweiten Wunsch hab ich für Dich, die diese Zeilen sieht.
Für Dich der zweite Wunsch geschieht.
Welch Glück, wenn das Corona-Jahr für Dich eines der schönsten war.

Mach frei von Angst den Tag Dir schön – erfüllter Wunsch, das wirst Du sehn.
Und hat die Fee erst was versprochen, hat sie noch nie ihr Wort gebrochen.

 

Wir begannen unsere Reihe mit David Damm
http://www.silbenton.de
David Damm ist Mitglied der Literaturgruppe.

DAS LETZTE GERICHT

Die weiße Gans steht ganz entzückend
Auf bunter Wiese Blümchen pflückend,
Hans steht am Zaun, er lächelt, lacht,
Bestaunt die Gans in ihrer Pracht.

Sie zupft am Federkleid, sich schmückend,
Doch dann droht dicke Luft – bedrückend,
Das schwere Gattertor geht auf,
Die Gans ist klug – macht Dauerlauf.

Der Bauer hinkt auf krummen Krücken,
Er flucht, verdammt, aus vollen Stücken:
»Du dumme Gans bleib endlich hier,
Ich krieg dich schon, du blödes Tier!«

Der Bauer schnauft und will sich bücken,
Da schießt ihm Schmerz in seinen Rücken,
Die Gans quietscht laut vor Angst und Schreck,
Der Bauer schwankt und sitzt im Dreck.

Rasch nimmt er ein paar Whiskeyschlücke,
Auf dass sein Leiden sich verdrücke,
Und als er wieder um sich sieht,
Sieht er noch wie die Gans entflieht.

Das Tor steht offen, schwups, ruckzück,
War sie entfleucht, kein Blick zurück,
In weiter Ferne wippt der Schwanz,
Und Hans macht einen Freudentanz.

Die Gans gerettet, ganz im Stück,
Der Hans ist außer sich vor Glück,
Er wünscht ihr noch ein langes Leben,
Von vielen Gänseklein umgeben.